Der
Zölibat - ein zutiefst religiöses
(Streit)Thema
und die
Suche nach einer Lösung
Hannes Roland
Viel ärger könnte der Knalleffekt gar nicht ausfallen: Römisch katholischer Erzbischof heiratet gemeinsam mit 60 Geistlichen verschiedener Konfessionen und Religionen nach dem Ritus der "Moonsekte". Die Trauung oder wie es im Vokabular der Vereinigungskirche heißt: "Ehesegnung" oder schlicht "Segnung" nimmt der Gründer, Sun Myung Moon, selbst vor - natürlich seiner bekannten Tradition entsprechend - als öffentliche "Massenhochzeit".
Soweit die (zusammengefasste) Schlagzeile vom 27. Mai 2001. Was steht dahinter?
Der, nun muss man sagen "frühere" Erzbischof, Milingo (er wurde von der römisch katholischen Kirche postwendend exkommuniziert) beschreibt seinen zweifellos ungewöhnlichen Schritt, den er ebenso ungewöhnlich im Alter von 71 Jahren tat, in einer äußerst studierenswerten Stellungnahme, die er in 5 bemerkenswerte Abschnitte gliedert:
1. Gottes Wort zum Zweck von Ehe und
Familie
2. Meine Berufung und meine Mission
3. Meine Liebe zur heiligen Kirche
4. Meine Beziehung zu Reverend und Frau Sun Myung Moon
5. Unsere Zukunft
Er nimmt in seinem 5seitigen Papier zwar in gebotener Knappheit, aber sehr präzise zu den durch seinen Schritt aufgeworfenen Fragen Stellung: Er beschreibt den Beginn seines Glaubenslebens und seinen Weg in der röm. kath. Kirche, die er eigenen Angaben zufolge nach wie vor sehr liebt, und er beantwortet natürlich auch die Frage nach seiner Beziehung zu Reverend Sun Myung Moon. Er wirft aber mit seinem Schritt auch die wesentliche Frage nach der Sinnhaftigkeit des Zölibats in unserer heutigen Zeit auf. Nun ist diese Frage bei Gott nicht neu, aber sie in dieser Form zu stellen ist einzigartig, wie das überaus große weltumspannende Medienecho zeigt.
Eines geht aus seiner Erklärung ganz deutlich hervor: Von Anfang an kann Gott die zölibatäre Ehelosigkeit - und er stützt sich dabei auf den Schöpfungsbericht in der Bibel - nicht geschaffen und auch nicht gewollt haben, so wie Gott von Anfang an auch keine Religion geschaffen hat. Gott schuf einzig und allein Kinder - Adam und Eva - und Er schuf sie, und auch das wird in der Bibel ausdrücklich betont, als Mann und Frau, und Er sagte weiters, dass es nicht gut sei, dass der Mann allein ist, und Er trug ihnen auf zu wachsen, sich vermehren und sich die Erde untertan zu machen. Keine Rede von Religion, Kirche, Tradition oder Zölibat (Gen. Kapitel 1 und 2)
Woher kommen dann die Religionen, wenn sie ursprünglich nicht von Gott geschaffen wurden? Sie sind, wie aus der Heiligen Schrift im darauffolgenden 3. Kapitel ganz klar hervorgeht, auch wenn diese Erkenntnis im ersten Moment für manche wie ein Schlag ins Gesicht empfunden werden mag, ein Resultat des Sündenfalles und sie haben einzig und allein einen Zweck, nämlich, dem Menschen dabei zu helfen, seinen Weg zu Gott zurück zu finden. Die logische Folgerungsfrage: Was geschieht dann mit den Religionen, wenn sie die Menschen zu Gott zurückgeführt haben? Dann haben sie ihren äußerst wichtigen, unersetzbaren und großartigen Beitrag der "Rückführung" geleistet und Gott wird ganz bestimmt sehr stolz auf sie sein, denn sie haben das getan, was Gott die allergrößte Freude macht: Sie haben Seine Kinder zu Ihm zurückgeführt. Ist das nicht die edelste Aufgabe, die es seit dem Sündenfall überhaupt geben kann.
Diese Rückführung aber setzt eines voraus: Das Ziel ist im Ziel zu suchen und nicht in religiösen Traditionen der Vergangenheit. Und in der Tat waren es die traditionsgebundenen Argumentationen und Rechtfertigungen, die die "Gläubigen" selbst des auserwählten Volkes dazu verwendeten diejenigen zu töteten, die Gott, um Sein zukünftiges Ziel zu erreichen, die Geschichte hindurch immer wieder gesandt hat; damit haben sie den Vorsehungsplan Gottes immer und immer wieder schmerzhaft durchkreuzt, blockiert und schließlich verlängert. (Apg 7:51-52)
Wie steht es dann mit kirchlichen oder religiösen "Traditionen", wie beispielsweise dem Zölibat? Da diese immer Teil einer Religionsgemeinschaft sind, sind sie zwar für die "Rückführungszeit" von eminenter Bedeutung, aber im Lichte des Zieles der "Wiederherstellung zum ursprünglichen Zustand" - und Religion bedeutet ja "Rückverbindung" - müssen sie, wenn ihre Zeit gekommen ist, abgelegt werden und dem "Ziel" Platz machen. Der Weg ist nicht das Ziel (und die Religionen sind nicht das Himmelreich). Das Ziel ist vielmehr im letzten Kapitel der Heiligen Schrift folgendermaßen beschrieben: "Sie werden Sein Angesicht schauen, und Sein Name ist auf ihre Stirn geschrieben. Es wird keine Nacht mehr geben, und sie brauchen weder das Licht noch die Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten, und sie werden herrschen in alle Ewigkeit." (Offb. 22:4-5) Liest man das hier angesprochene "Licht" und die "Sonne" als Religionen, die ja auf dem Weg der Rückführung "leuchten", so wird deutlich, was diese Stelle uns sagen möchte.
Wenn nun die Diskussionen losbrechen werden, so sollte man dabei vor allem den Bezug zum Zweck und Ziel von "Religionen und deren Traditionen" ganz maßgeblich einbinden. Das Ziel kann nicht sein, dass die Welt katholisch, protestantisch, buddhistisch, islamisch, jüdisch oder was immer wird. Das Ziel kann nur sein, dass sich alle Menschen als Kinder Gottes mit IHM und untereinander vertragen. Nur nachdem wir diesen Schritt erfolgreich getan haben, kann die obengenannte Verheißung (Offb. 22:4-5) wahr werden.
Gehen wir also mit einer demütigen, gebetsvollen Haltung und vor allem mit diesem verheißenen Ziel vor Augen in die Diskussion, denn nur dann können wir ein "Auf dem Stand Treten" vermeiden. Suchen wir zu denjenigen zu werden, die Augen haben, um zu sehen und Ohren, um zu hören - nicht nur was eine Kirche oder eine Tradition sagt oder vorschreibt, sondern vor allem, was Gott zu sagen hat. Und der Schöpfungsbericht in der Bibel, sowie der Auftrag, den Gott Adam und Eva vor ihrem Fall gegeben hat und noch bevor von einer Religion oder religiöser Tradition die Rede war, sind darin ganz sicher eine ganz wichtige Richtschnur. Wäre nicht eine solche Haltung ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zum ersehnten Paradies und weiter zum von allen Religionen erhofften Himmelreich?
Zur Stellungnahme von Erzbischof Milingo zu seinem Schritt in die Ehe